Der SIC besucht die Möbelmanufaktur Horgenglarus











Es gibt Orte, an denen die Zeit nicht stehen geblieben ist, sondern vielmehr mit Bedacht und Würde weiterläuft. Die Manufaktur Horgenglarus in Glarus ist ein solcher Ort. Am Donnerstag, dem 23. April, durfte eine kleine, aber umso aufmerksamere Abordnung des Swiss International Clubs — acht Mitglieder, die sich den Luxus des genauen Hinschauens gönnten — hinter die Kulissen eines der faszinierendsten
Handwerksbetriebe der Schweiz blicken.
Seit beinahe 150 Jahren steht Horgenglarus für die Verbindung von Innovation und Tradition, für die fundierte Kunst, Möbel zu schaffen, die über Generationen hinweg Bestand haben.
Was sich hinter dieser nüchternen Beschreibung verbirgt, offenbarte sich unserer Gruppe auf eine Weise, die weit über jeden Katalog oder jede Webseite hinausgeht: unmittelbar, sinnlich, berührend.
Handwerk, das man riechen, hören und begreifen kann
Von dem Moment an, als wir die
Fertigung betraten, umfing uns der warme, harzige Duft frisch bearbeiteten Holzes. Die Räumlichkeiten überraschten durch ihre überschaubare, fast intime Grösse — weit entfernt von jeder Fabrikatmosphäre, mit einem Charakter, der das Handwerkliche stets spürbar bleiben lässt. Mit grossem Wissen und Sachverstand wurden wir durch sämtliche Fertigungsschritte, vom rohen Stammholz bis zum vollendeten Möbelstück, geleitet.
Ein einziger Stuhl durchläuft dabei rund fünfzig präzise Arbeitsschritte — eine Tatsache, die man erst dann wirklich versteht, wenn man direkt an den Maschinen steht und zusieht, wie geschulte Hände aus einem schlichten Brett allmählich etwas Unverwechselbares formen. Maschine und Menschenhand wirken dabei in einem bemerkenswert harmonischen Dialog zusammen.
Die eigentliche Stärke: Menschen, die für ihr Handwerk brennen
Mit einer Herzlichkeit, die man bei solchen Führungen selten erlebt, nahmen sich die Mitarbeiter von Horgenglarus die Zeit, um alle unsere Fragen zu beantworten sowie Zusammenhänge mit Geduld und Hingabe zu erläutern. Dabei konnten wir spüren, dass wir nicht als anonyme Besucher, sondern als aufrichtig willkommene Gäste durch den Betrieb geführt wurden.
Die überschaubare Grösse unserer Gruppe erwies sich dabei als unerwarteter Glücksfall. Man durfte anfassen, staunen und nachfragen.
Ein Stück Schweizer Identität zum Anfassen
Qualität, Universalität und Nachhaltigkeit — mit diesen drei Worten beschreibt Horgenglarus seine Grundwerte, und man muss die Fertigung nur einmal von innen gesehen haben, um zu verstehen, dass es sich dabei um gelebte Überzeugungen handelt und nicht um Marketingversprechen. Bewusst stellt sich das Unternehmen gegen die Massenproduktion und das Outsourcing elementarer Fertigungsstufen — eine Haltung, die in einer Zeit globalisierter Lieferketten fast anachronistisch wirkt und gerade deshalb so beeindruckend ist.
Dass im Berner Bundeshaus seit über 120 Jahren Stühle aus Glarus in den Sitzungssälen stehen, ist nur eines von
vielen Indizien für die zeitlose Relevanz dieser Manufaktur.
Auch die meisten der Sitze in den Kinosälen der Schweiz stammen aus diesem guten Hause und die gerade fertig produzierten 500 Stühle für das Neumünster in Zürich konnten wir in der Auslieferung auch noch bewundern.
Doch was uns an jenem Donnerstagnachmittag wirklich bewegt hat, war nicht die Prominenz der Kundschaft, sondern die Sorgfalt, mit der hier tagtäglich gearbeitet wird — ruhig, konzentriert, ohne Aufhebens.
Dank und Ausblick
Der Swiss International Club bedankt sich herzlich bei Horgenglarus und insbesondere bei unserem Gastgeber für einen Nachmittag, der uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Es war mehr als ein Fabrikbesuch — es war eine stille Lektion darüber, was Schweizer Handwerk in seiner schönsten Form zu bedeuten vermag.
«Solche Dinge muss man einfach mit eigenen Augen gesehen haben!»

